Info
ARFID - Avoidant-restrictive food intake disorder - tritt häufig bei Kindern im Beikost- und Kleinkindalter erstmals auf. Die Ernährungsstörung ist gekennzeichnet durch die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel und der Weigerung, Unbekanntes zu probieren. Die Nahrungsaufnahme kann sich stark reduzieren und für Betroffene negative gesundheitliche und/oder persönliche Konsequenzen haben.
ARFID wurde bis 2022 im deutschen als "Sensorische Fütterungsstörung" bezeichnet und lässt sich in drei Ausprägungen unterscheiden:
- Desinteresse am Essen - das Kind hat kein Interesse an der Nahrungsaufnahme und priorisiert andere Aktivitäten; es herrscht kein Bewusstsein für die Notwendigkeit, das Hungergefühl wird oft und lange ignoriert
- Essensbezogene Ängste - das Kind hat schlechte Erfahrungen bei der Nahrungsaufnahme gemacht (Verschlucken, Würgen, Sodbrennen) und befürchtet negative Folgen durch das essen
- Sensorische Empfindlichkeit - das Kind empfindet Gerüche, Textur und/oder Aussehen der Nahrungsmittel als unangenehm oder nimmt diese Eigenschaften besonders deutlich wahr
Es können ein, zwei oder alle drei Typen bei der betroffenen Person vorliegen.
Zum Selbsttest und zur ARFID-Studie der Uni Leipzig (im unteren Bereich der Seite).
Symptome | Folgen | Diagnose
Symptome
Anders als beim wählerischen Esser (Picky Eater) handelt es sich bei ARFID-Betroffenen nicht um eine normale, individuelle Abneigung gegenüber einzelnen Lebensmitteln. Die Ablehnung erfolgt nicht bewusst! Der innere Zustand des Betroffenen lässt es nicht zu, Lebensmittel zu probieren, die sensorisch neu oder herausfordernd sind.
Ein Überblick über die Symptome:
- Nahrungsmittel werden anfangs gerne probiert, nach der ersten Erfahrung aber oft abgelehnt und nicht wieder angerührt
- die Auswahl an funktionierenden Nahrungsmitteln wird plötzlich wieder kleiner und es kommen keine neuen hinzu
- das Kind möchte allgemein nichts mit Nahrung, Einkaufen und zum Beispiel Tisch decken und Kochen zu tun haben
- das Kind kennt sich gut mit Nahrungsmitteln aus, kann einfache Gerichte sogar zubereiten, hat Spaß am Gemüse schneiden, vermeidet aber, zu probieren oder größere Mengen zu essen
- das Kind fragt über den Tag verteilt oft nach Essen, nimmt aber nur wenig zu sich
- das Kind hat sichere Lebensmittel (safefoods, samefoods), die in Geschmack, Konsistenz und Geruch zuverlässig gleich bleiben und täglich gegessen werden
- das Kind hat einen großen Leidensdruck, sobald es um das Thema Essen geht
- das Kind lässt sich nicht von Bezugspersonen oder Betreuungspersonal überreden, etwas zu probieren
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Folgen
ARFID kann zu Mangelerscheinungen führen und Nahrungsergänzungsmittel erforderlich machen. Betroffene Kinder befinden sich häufig im unteren Bereich der Perzentilkurven. In extremen Fällen kann durch das Vermeidungsverhalten ein gesundheitsgefährdendes Untergewicht auftreten und eine Ernährung durch eine Sonde notwendig werden.
Im Kita- und Schulalltag werden betroffene Kinder eventuell ausgegrenzt (gemeinsames Mittagessen, Ausflüge). Im familiären Alltag nimmt das Essverhalten eines Betroffenen einen großen Raum ein und bedeutet viel Beschäftigung, Frust und Planung.
Vermeidungsverhalten ist selbstverstärkend und kann ohne Behandlung/Therapie schlimmer werden.
Diagnose
ARFID wurde als eigenständiges Krankheitsbild erstmals 2013 im DSM-5 (Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen, 5. Auflage) definiert und in der Folge auch in die ICD-11 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) aufgenommen, die 2022 in Kraft trat.
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